Alarm! Aufstehen. Der Kaffeelöffel fällt zurück in die Tasse, der letzte Bissen des Frühstücksbrötchens wird noch im Laufen gekaut. Schuhe anziehen, Ausrüstung greifen, raus und los. Es ist der erste Einsatz des Tages für Pilot Hubert Gleißner, Luftrettungsassistent Alex Meixner und Notarzt Dr. Christoph Schelenz – die Besatzung des Rettungshubschraubers „Christoph 70″ von der Luftrettungsstation Schöngleina. Innerhalb von wenigen Augenblicken fährt der leuchtend gelbe Helikopter auf einer elektrisch betriebenen Plattform aus der Halle heraus. Hubert Gleißner startet die Maschine, zuerst langsam und surrend, dann immer schneller und lauter bewegen sich die Rotorblätter. Seine Kollegen setzen sich auf ihre Plätze, setzen ihre weißen Helme auf und legen die Sicherheitsgurte an. Es geht los. Vom Einsatzsignal bis zum Abflug sind rund zwei Minuten vergangen.
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if (pos!=-1) document.write(volltext.slice(pos+4)); Zeit dürfen die Luftretter auch nicht verlieren. Ein Notruf aus Kahla ist bei der Leitstelle eingegangen. Nach weiteren sieben Minuten setzt „Christoph 70″ dort über einem gut befestigten, freien Rasenplatz in der Nähe des Porzellanwerkes zur Landung an. Ein rotes Auto von der Kahlaer Feuerwehr wartet schon auf den Notarzt und den Rettungsassistenten, bringt sie umgehend zum Einsatzort. Dort sitzt ein junger Mann benommen auf einem Stuhl. Das Blut an seinem Mundwinkel und Kinn beginnt schon anzutrockenen. Nachdem die Arbeitskollegen von einem Krampf berichtet haben, und nach einem Gespräch mit dem Patienten selbst, weiß Dr. Schelenz Bescheid. Epileptischer Anfall. Mit dem kurz darauf eintreffenden Rettungswagen wird der Mann am Boden ins Jenaer Klinikum transportiert. „Das machen wir so, damit der Hubschrauber so schnell wie möglich wieder frei ist“, erklärt Meixner. Das wäre überlebenswichtig, wenn zum Beispiel jemand schnell in eine weit enfernte Spezialklinik gebracht werden muss.
Zurück in der Station bleibt den Luftrettern kaum genug Zeit, die Dokumentationsdaten in den Computer einzugeben. Wieder schrillt die Alarmglocke. „Unfall an der Autobahn bei Stadtroda“, gibt die Leitstelle durch. Einen Moment später kreisen Pilot Gleißner und seine Mitflieger über dem angegebenen Gebiet, denn der ramponierte dunkelgrüne PKW auf dem Acker ist selbst von oben nur schwer zu erkennen. Mit hoher Geschwindigkeit sei das Auto zuerst gegen die Mittelleitplanke geschleudert und dann die Böschung hinauf katapultiert worden, berichten Zeugen, die vor Ort sind. Um das ältere Ehepaar im Wagen kümmern sich Schelenz und Meixner sofort, reden beruhigend, tasten sie vorsichtig ab und geben Infusionen. „Sie haben Glück gehabt“, sagt der Rettungsassistent. Wenig später kommen zwei Krankenwagen und die Feuerwehr. Nachdem die Patienten in deren Transportfahrzeuge eingeladen sind, fahren die beiden Luftretter mit den Kollegen am Boden zum Klinikum in Lobeda. Pilot Hubert Gleißner fliegt schon voraus, landet auf dem Dach des Klinikums und wartet.
Das ist Alltag im Leben des erfahrenen Piloten, für den Angst beim Einsatz eigentlich kein Thema ist. Seit zehn Jahren fliegt der 50-Jährige schon von Schöngleina aus. „Wenn allerdings richtig schlechtes Wetter ist, dann schießt einem schon immer noch das Adrenalin durch den Körper“, gibt er zu. In einem solchen Fall holt er sich meist den Rat seiner Kollegen ein, denn die kennt er schon seit Jahren und vertraut ihrem Urteil. Ob „Christoph 70″ abhebt oder nicht, ist aber letztendlich seine Entscheidung. Denn Sicherheit geht in der Luftrettung vor.