Annaberg/SN - Neue Hilfsorganisationen, aber auch Privatunternehmen könnten ab kommendem Jahr den Rettungsdienst in der Region übernehmen. Das Landratsamt hat am Donnerstag die Kreisräte darüber informiert, dass die Notfallrettungs- und Krankentransport-Dienste im Landkreis Annaberg für die Jahre bis 2013 ausgeschrieben worden sind. Noch bis 22. Februar können Bewerber aus ganz Europa ihr Interesse anmelden. Wer die Zuschläge für die beiden Einsatzgebiete im Norden und Süden des Kreises erhält, bestimmt nach einer zweiten Auswahlrunde der Kreistag in Abstimmung mit den Krankenkassen.

Der ersten Neuvergabe dieser Art hatte der Landtag bereits vor mehreren Jahren per Gesetz den Weg geebnet. Denn die Europäische Union drängt auf mehr Wettbewerb im Rettungswesen und drohte gar mit einem Mahnverfahren. Derzeit sind im Kreis zwei Hilfsorganisationen mit dem Rettungsdienst betraut: Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) betreibt die Wachen in Annaberg und Thum, die Johanniter Unfall-Hilfe (JUH) die Stützpunkte in Schlettau und Bärenstein. Ihre Verträge gelten nur noch bis Ende des Jahres, doch auch sie wollen sich erneut bewerben.

„Ich gehe davon aus, dass neben den harten Kostenfaktoren auch das ehrenamtliche Engagement und die Mitwirkung beim Katastrophenschutz ins Gewicht fallen“, meint DRK-Kreischef Heiko Haase. Daher glaube er, mit den langjährig erprobten Strukturen und dem DRK-Stammpersonal im Wettbewerb gut bestehen zu können.

Allerdings geht aus dem Aufruf an interessierte Bewerber auch hervor, dass bei der Vergabe „die finanziellen Interessen des Landkreises und der Kostenträger“ – also der Krankenkassen – „angemessen berücksichtigt werden“. Da die Qualitäts-Standards und die notwendigen Qualifikationen des Personals großteils gesetzlich vorgeschrieben sind, wird das Ergebnis der Ausschreibung in erster Linie durch Einsparungen bei den Personalkosten bestimmt. „Tarifgebundene Anbieter haben da ein Riesenproblem“, befürchtet deshalb die Gewerkschaft.

Nicht ausschließen wollen alle Beteiligten, dass sich auch ausländische Anbieter um einen Auftrag im Landkreis bewerben. Dass so etwas funktionieren kann, zeigt die Unternehmensgruppe Falck aus Dänemark. Der nach eigenen Angaben größte private Ambulance-Dienstleister der Welt ist mittlerweile in sieben Ländern Europas aktiv – von Norwegen bis Polen.

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