Die Marke

Bürgermeister sperrt Feuerwehr aus

In Allgemeines, Feuerwehr, Internet & Recht on 29 Februar, 2008 at 2:45
Das hat es wohl auch in Nordwestmecklenburg noch nie gegeben: Ein Bürgermeister entführt in einer Blitzaktion ein Feuerwehrauto und handelt sich den Titel eines Diktators ein. Der Fall Teschow zieht landesweit Kreise.

TESCHOW/MVNun ist das Tischtuch zwischen den Feuerwehrleuten aus Teschow und Selmsdorfs Bürgermeister Detlef Hitzigrat (Bürgergemeinschaft für Selmsdorf) wohl endgültig zerschnitten. Denn in einer beispiellosen Aktion entführte das Gemeindeoberhaupt das Feuerwehrauto der Teschower und zerstörte damit auch die letzten Hoffnungen auf einen Erhalt ihrer Feuerwehr. Bei der Blitzaktion half dem Bürgermeister auch ein Slemsdorfer Feuerwehrmann. Er öffnete mit Spezialwerkzeug das Schloss. „Nachdem die Tür geöffnet war, hat Herr Hitzigrat im Schulungsraum Bilder von der Wand gerissen“, berichtet Manuela Kunert, die wie andere Einwohner alles beobachtete.

Danach geht alles ganz schnell. Die Tür des Gerätehauses bekommt ein neues Schloss. Das Rolltor wird von innen mit Brettern verbarrikadiert. Und um 15.05 Uhr setzt sich der Bürgermeister in das Teschower Feuerwehrauto, um es zum neuen Bestimmungsort nach Selmsdorf zu bringen. „Das ist unfassbar“, fehlen der Teschower Wehrführerin Petra Knoop die Worte.

Selmsdorfer Gemeindevertreter sind stinkesauer auf Hitzigrat. „Ich werde seinen Rücktritt auf der nächsten Gemeindevertretersitzung fordern“, kündigte der Kommunalpolitiker Christian Seiler von der CDU an. Sein Fraktionsvorsitzender hat ebenfalls die Nase voll. „Herr Hitzigrat schießt ein Eigentor nach dem anderen und tritt alles mit Füßen, was die Feuerwehr Teschow aufgebaut hat“, verdeutlicht Karl-Heinz Kniep.

Scharfe Kritik kommt auch vom SPD-Fraktionschef Christian Albeck: „Mit kommt es vor, als wenn wir in der Gemeinde immer mehr in eine Diktatur abrutschen. Ich halte es für kriminell, was da abgelaufen ist.“

Hintergrund des Feuerwehr-Krieges ist ein Beschluss der Gemeindevertretung, wonach die Freiwillige Feuerwehr Teschow aufgelöst wird (wir berichteten). Ein Argument dabei war, Geld einzusparen. Dabei hätte es die Gemeinde Selmsdorf gar nicht nötig. „Wir sind eine der wenigen Kommunen, die keinen müden Cent Schulden hat, die eine Million Euro an Rücklagen hat und die im April eine Steuernachzahlung in Millionenhöhe erwartet“, sagte gestern ein Selmsdorfer Kommunalpolitiker.

Detlef Hitzigrat selbst ist sich keines Fehlverhaltens bewusst. „Ich sage nur über meinen Anwalt etwas“, ließ er auf Anfrage zunächst wissen, um dann aber deutlich klar zu stellen: „Ich begehe keinen Diebstahl und ich breche auch nirgendwo ein. Ich bin Bürgermeister und damit Eigentümer des Gebäudes und des Fahrzeuges in Teschow. Es kann also keine Straftat vorliegen.“ Das bestätigt auch Kreis-Pressesprecherin Monika Mahlke: „Das Gerätehaus und das Auto gehören zu Selmsdorf. Bürgermeister Hitzigrat hat damit die Schlüsselgewalt und deshalb nichts Verbotenes getan.“

Gadebuschs Amstwehrführer Ralf Siewert warnt hingegen vor Nachahmung. „Wenn sich bei uns ein Bürgermeister wie ein kleiner König aufführern sollte, würden etliche Brandschützer ihren Anzug an den Nagel hängen“, verdeutlicht Siewert. Nicht nur er hätte sich eine diplomatischere Lösung gewünscht.

  1. [...] unknown wrote an interesting post today onHere’s a quick excerpt Das hat es wohl auch in Nordwestmecklenburg noch nie gegeben: Ein Bürgermeister entführt in einer Blitzaktion ein Feuerwehrauto und handelt sich den Titel eines Diktators ein. Der Fall Teschow zieht landesweit Kreise. TESCHOW/MV – Nun ist das Tischtuch zwischen den Feuerwehrleuten aus Teschow und Selmsdorfs Bürgermeister Detlef Hitzigrat (Bürgergemeinschaft für Selmsdorf) wohl endgültig zerschnitten. Denn in einer beispiellosen Aktion entführte das Gemeindeoberhaupt das Feuerwehrauto der Tesch [...]