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Schweinfurter Rettungsleitstelle: Alltag mit Engpässen

In Allgemeines, Rettungsdienst on 29 Februar, 2008 at 9:23

Wenig Notärzte, zu wenig Rettungswagen

Schweinfurt/BY – Zwei Rettungswagen stehen ab 18 Uhr in Schweinfurt bereit – zu wenige, um Kreis und Stadt optimal abdecken zu können. Im Notfall müssen andere zu Hilfe geholt werden, zum Beispiel aus Arnstein. In Bad Kissingen fehlen Krankenwagen. Der Bedarf ist in der Stadt der Kurgäste und Kliniken eben größer. Tagsüber klafft eine Lücke, Krankentransporte, deren Zahl im gesamten Zuständigkeitsbereich der Rettungsleitstelle (Landkreise Schweinfurt, Bad Kissingen, Haßberge, Rhön-Grabfeld und Stadt Schweinfurt) zugenommen hat, können nicht zeitnah erledigt werden.

Beides keine dauerhafte Lösung, sagt Manfred Schäflein, Leiter der Rettungsleitstelle Schweinfurt. Am Freitag hat er dem Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) seinen Jahresbericht vorgelegt. Eine detaillierte Auflistung, die auch Schwachstellen aufgezeigt. Ein Problem (neben fehlenden Fahrzeugen) gibt es bei Notarzteinsätzen. Zwar hat sich die Situation entspannt, gibt es keine gänzlich verwaisten Notarztstandorte mehr, dafür ein anderes Problem: Notärzte, die eingeteilt sind, melden sich kurzfristig stundenweise ab, an anderen Standorten gibt es Besetzungslücken zu bestimmten Zeiten. Ersatz zu finden ist schwer, umständlich und erfordert oft ungewöhnliche Schritte: Zum Beispiel den Notarzt per Rettungshubschrauber zum Einsatzort bringen zu lassen. Der Dienst ist freiwillig, frisst Zeit, lohnt sich finanziell oft nicht, meint Schäflein. Der Nachwuchs fehle, die Zahl der Notärzte sei weit geringer als früher.

Mehr geworden sind nur die Einsätze, die der verfügbaren Fahrzeuge seit 2004 nicht. Dem Jahr, in dem auf Basis einer Trend- und Strukturanalyse, kurz Trust, der Rettungsdienst neu aufgestellt worden ist. Trust II wird 2008 erneut den Rettungsdienst auf den Prüfstand stellen.

Dabei wird es auch darum gehen, ob die vorgeschriebenen Hilfsfristen eingehalten werden. In Bayern sind das laut Schäflein zwölf Minuten – reine Fahrzeit. Die Novellierung des Rettungsdienstgesetzes könnte daraus eine Hilfsfrist machen, die dem Verständnis von Laien eher entsprechen wird: Die Zeit zwischen Eingang des Notrufs bis zum Eintreffen am Einsatzort. Mögliche Konsequenzen aus Trust II sprach Karl-Heinz Nusser, Geschäftsführer des ZRF, in der Verbandsversammlung an: 24 Stunden Besetzung der Rettungswachen Werneck, Münnerstadt, Rödelmaier; wahrscheinlich neue Rettungswachen (Schwanfeld, Hausen, Burkardroth), möglicherweise eine Verschiebung bestehender Wachen und gegebenenfalls private Anbieter.

Schäflein hat für das BRK, Träger der Rettungsleitstelle Schweinfurt, konkrete Anträge gestellt – und den Bedarf aufgezeigt. Auch Nusser ging davon aus, dass aufgrund der Ergebnisse, die Trust II bringen wird, das Netz an Fahrzeugen auch im Verbandsgebiet dichter werden wird. Beim Bereich, den die Leitstelle Schweinfurt betreut, handelt es sich um den flächengrößten in Bayern.

Im Vergleich zu 2006 sind die Einsätze, die 2007 über die Leitstelle an die Hilfsorganisationen vermittelt wurden, gestiegen: von 72 670 auf 74 740 Einsätze – von Krankentransporten bis Berg- oder Wasserrettung.