Korschenbroich/NRW - Der Unfall war brutal, der Fahrer ist eingeklemmt. Die Feuerwehr muss ihn herausschneiden aus seinem hochwertigen, stabilen Wagen. Doch die Limousine ist zu stabil für die Gewalt der Hydraulikschere – die Situation ist lebensgefährlich. Solche Fälle beklagen die Feuerwehren immer häufiger, weil die Autoindustrie ihre Karosserien zunehmend verstärkt.

Der ADAC sammelt nun bundesweit Daten, um den Rettern zu helfen und die Autohersteller zu sensibilisieren. Die Feuerwehren soll dafür ihre Erfahrungen dokumentieren. Der Löschzug Korschenbroich hilft dabei.  Den Kontakt hat der Kamerad Holger Coenen hergestellt, der an der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried arbeitet. Feuerwehr-Chef Frank Baum will auch die übrigen Einheiten in der Stadt für das Projekt gewinnen.

„Die Autos werden allmählich zu Panzern, die Modelle verändern sich ständig – die Entwicklung läuft uns davon“, sagt Baum. Er befürchtet, dass in Zukunft immer häufiger neues Gerät angeschafft werden muss, schlimmstenfalls mindestens alle fünf Jahre. Ein kompletter Satz Schere/Spreizer kostet ihm zufolge an die 15 000 Euro. Erst kürzlich hatte die Korschenbroicher Feuerwehr massive Probleme damit, eine Person aus ihrem Wagen zu befreien, weil die Schere fast an einem Scharnier scheiterte. Baum: „Wo früher alles aus Blech war, setzt die Industrie heute Stahlrohre zur Verstärkung ein.“

Aber auch andere Bauteile verursachen wachsende Probleme. Die Autobatterie zum Beispiel. Wird sie nicht abgeklemmt, können Funken ein Feuer entzünden oder Airbags lösen unkontrolliert aus. „Im Motorraum sind die Batterien heutzutage kaum noch zu finden. Und große Autos wie die S-Klasse von Mercedes oder der A 8 von Audi haben sogar zwei“, berichtet Baum.

Zweites Beispiel: die Airbags. Wo sie inzwischen überall eingebaut sind, ist für die Retter oft gar nicht mehr erkennbar. Baum: „Das gefährdet die Leute bei der Personenrettung, die kriegen eine geknallt. Die Experten vom ADAC-Technikzentrum im bayerischen Landsberg am Lech kommen nun zur Hilfe. „Wir haben erkannt, dass die Feuerwehren bei schweren Unfällen vor Problemen stehen“, sagt Thomas Unger, Unfallforscher des Automobil-Clubs. „Es gibt dazu aber noch keine Zahlen, sondern allein die Klagen der Feuerwehr.“

Diese Daten sammelt der ADAC noch gut zwei Jahre. Die Ergebnisse sollen auf zweierlei Weise helfen. Erstens sollen die Feuerwehren einen Leitfaden an die Hand bekommen, mit welchen Techniken und welchem Rettungsgerät sie den modernen Autos zu Leibe rücken können. Zweitens will der ADAC, der die Studie mit mehreren Feuerwehrschulen betreibt, Argumente für einen Dialog mit der Autoindustrie sammeln. „Es wäre zum Beispiel wünschenswert, wenn die Fahrzeuge Markierungen bekämen, wo die Feuerwehr noch schneiden kann“, erläutert Unger.

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