München/BY - Am Rande des Giftgasunfalls an der Technischen Universität in Garching (Kreis München) hat sich eine Tragödie ereignet. Ein Leitender Notarzt kam auf dem Weg zum Campus ums Leben. Der 59-Jährige starb an einem Riss in der Aorta.
Dr. Rolf G. (59) war Anästhesist im Klinikum rechts der Isar, gehörte dort zum Team der Oberärzte. 1993 wurde er zum Leitenden Notarzt bestellt, im Frühjahr 2002 ernannten ihn die Münchner Notärzte zu ihrem Sprecher. Zudem war Dr. Rolf G. ein versierter Referent und leitete notfallmedizinische Fortbildungen. Vor allem aber rettete der erfahrene Notarzt unzähligen Menschen das Leben. Nur sich selbst konnte er am Ende nicht mehr helfen.Am Freitagabend war Dr. G. in seinem mit Blaulicht ausgestatteten Privatwagen im Münchner Süden unterwegs. Als er von dem Großeinsatz in Garching hörte, stellte er sich der Leitstelle als zweiter Leitender Notarzt zur Verfügung, machte das Blaulicht an und brauste los. An der TU hatten Chemiker mit dem Giftgas Phosgen experimentiert. Dabei war ein Schlauch gerissen, das Gas trat aus. Solch eine Nachtfahrt in einen ungewissen Einsatz – noch dazu bei Regen und im Berufsverkehr – ist Stress pur. Wahrscheinlich zuviel Stress für eine Erkrankung wie das so genannte Aorten-Aneurysma.
Um 19.47 Uhr meldete sich Dr. G. erneut über Funk von der A 995 (zwischen Brunnthal-Dreieck und Giesing). Seine Stimme klang gehetzt. „Ich stehe in Fahrtrichtung München an der Ausfahrt Oberhaching. Ich kann nicht mehr weiterfahren. Ich brauche Hilfe”, sagte er. Die Diagnose liefert er gleich mit: „Verdacht auf Aorten-Aneurysma” – ein bedrohlicher Zustand. Dabei entstehen in der Aorta Verstülpungen, wodurch sie reißen kann. Als die Kollegen eintrafen, verlor Dr. G. das Bewusstsein. Auf der Fahrt nach Großhadern musste er reanimiert werden. In einer mehrstündigen Notoperation versuchten seine Kollegen alles. Doch der Notarzt starb in den Morgenstunden, ohne noch einmal das Bewusstsein erlangt zu haben. Dr. G. hinterlässt eine Frau, eine Tochter und einen Sohn.
Nach dem Giftgasunfall hat die TU die Forschung mit Phosgen vorerst ausgesetzt. Die beiden Forscher werden weiterhin auf der Intensivstation der Klinik Rechts der Isar behandelt.
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