Berlin - Vor dem Spiel mit dem Feuer werden schon kleine Kinder gewarnt, ein Wohnungsbrand ist für viele Menschen ein Alptraum. Der Retter in der Not ist meist der Feuerwehrmann mit Löschwagen, Schaum und Wasserspritze. Im Feuerwehr-Alltag funktioniert das aber leider nicht immer wie im Bilderbuch. Rauchgasvergiftungen und Kreislaufprobleme sind keine Seltenheit. Mit einer neuen Technik soll die Arbeit der Feuerwehrleute nun erleichtert werden. Die Rettung naht! Wenn die Feuerwehr kommt, bedeutet das meist: Die Gefahr ist gebannt. Nicht aber für die Feuerwehrleute, korrigiert Stephan Fleischer, Pressesprecher der Berliner Feuerwehr: “Also ein Atemschutztrupp in der Einsatzstelle geht an seine körperlichen Grenzen. Da ist also schnell der Maximalpuls erreicht, [...]“, und an diesem Punkt beginnt es auch für die Feuerwehrleute gefährlich zu werden.

Den Weg aus einem unbekannten brennenden Gebäude zu finden, ist aber nicht leicht - Stephan Fleischer:
“Also unsere Einsätze in Brandstellen haben natürlich für die Einsatzkräfte zur Folge, dass sie keine Orientierung mehr haben, heißt also, sie sehen ihre Hand vor Augen nicht mehr dort im Rauch, und haben es somit schwer, sich zu orientieren, und auch über die Technik, die wir heutzutage haben, also Funk, an den Einsatzleiter rauszugeben, wo sie sich im Objekt befinden.”Das müssen sie hoffentlich bald auch gar nicht mehr.

Die Freie Universität Berlin entwickelt in Zusammenarbeit mit mehreren Wirtschaftsunternehmen eine Sensortechnik für die Feuerwehrleute. Stephan Fleischer hat hohe Erwartungen an das Projekt: Ja, die neue Technik soll uns also befähigen - soll den Einsatzleiter befähigen, immer zu wissen, wo sich seine Atemschutztrupps in der Einsatzstelle befinden, und gleichzeitig auch Vitaldaten mit nach draußen geben zur Einsatzleitung, so dass man sieht, welcher Belastung der Atemschutztrupp gerade ausgesetzt ist.”

Diese Herausforderung hat die FU bewusst angenommen, berichtet Projektkoordinator Michael Baar: “Wir haben uns praktisch einen Anwender gesucht, wo man möglichst schwierige Szenarien hat, weil das einfach der schwierige Fall ist. Was dann mit der Feuerwehr zusammen im Einsatzfall funktioniert, das funktioniert dann auch im Altenheim oder sonstwo.”
Funktionieren soll es so: Die Feuerwehrleute bekommen Schutzanzüge mit integrierten Funksensoren. Im Einsatzleitfahrzeug vor der Einsatzstelle steht eine Basisstation, die über Digitalfunk mit den Sensoren verbunden ist. Sie registriert, wie lange es dauert, bis das Signal an einen Sensor dort angekommen ist - Michael Baar: “Über die Laufzeiten wiederum können Abstände zwischen einzelnen mobilen und festen Stationen ermittelt werden. Und das wiederum kann man dann benutzen, um genaue Positionen auszurechnen über verschiedene Algorithmen”.

Der Einsatzleiter kann also anhand der Funksignale erkennen, wie weit die Feuerwehrleute von ihm und voneinander entfernt sind.

Das ist aber nicht alles. Die Sensoren sollen auch Informationen über die Person liefern, die den Schutzanzug trägt - Michael Baar: “Zusätzlich wollen wir natürlich die Vitaldaten der Feuerwehrleute übertragen. Das sind sicherlich so Punkte wie Pulsfrequenz, Innen- und Außentemperaturen des Anzugs, um feststellen zu können, wenn praktisch kritische Umgebungsbedingungen es erfordern, dass die Leute aus dem Einsatz herausgezogen werden.”

Ein Atemschutztrupp besteht aus zwei Personen. Wenn eine davon ausfällt, kann die andere nur über Funk versuchen, Hilfe zu holen. Das kann bei lauten Umgebungsgeräuschen und schlechtem Empfang aber schwierig sein. Mit der neuen Technik soll der Einsatzleiter die Helfer durch das Gebäude lotsen können. Das Projekt ist auf zwei Jahre ausgelegt. “Das ist auch ein straffes Programm, was wir da haben”, gibt Baar zu.

Feuerwehr-Pressesprecher Fleischer erwartet die Ergebnisse mit Spannung: “Sobald es dort aber erste Prototypen gibt, werden wir die natürlich auch zur Erprobung mit in den Einsatzdienst nehmen.” 6.000 Brände gibt es im Jahr in Berlin, die Feuerwehr hat 3.000 Einsatzbeamte. Da sollte jeder einmal in den Genuss der neuen Technik kommen. Das hofft auch Projektkoordinator Baar: “Ja, die Feuerwehr wird halt dafür sorgen, dass wir nicht an der Praxis vorbei entwickeln, sondern ein nutzbares System entwickeln.”

Bisher hat die Berliner Feuerwehr im Schnitt einen Atemschutznotfall im Jahr. Das ist nicht viel, aber immer noch zu viel. Mit der Sensortechnik der FU soll die Notfallstatistik eine Null vorweisen. Dann bedeutet das Martinshorn wirklich, dass die Gefahr gebannt ist.

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